Helden: Mediziner wirken Wunder auf eigene Rechnung

Posted on 29. August 2010

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Der Original-Artikel erschien auf Free Range International: Heros: Medical Professionals Working Miracles On Their Own Dime, von Tim Lynch, 11.09.2008

Helden: Mediziner wirken Wunder auf eigene Rechnung

Das gestrige Post begann mit einem Hinweis auf die letzte Covert Radio-Show und endete damit, dass ich über die CURE-Krankenhäuser bloggte. Ich dachte mir, dass es vielleicht für diejenigen, die dieses Blog lesen, von Interesse sein könnte mehr über die CURE-Krankenhäuser zu erfahren. Die internationalen Krankenhäuser erlauben keine Krankenhäuser auf ihrem Gelände wegen kulturellen Empfindlichkeiten. Die Behandlung weiblicher Patienten durch männliche Ärzte wird nicht von allen in dieser Ecke der Welt akzeptiert. Gebildete Familien in Kabul haben kein Problem mit männlichen Ärzten die ihre Frauen behandeln; im Süden würden Männer bis zum Tod kämpfen um die Verletzung ihrer Familienehre zu rächen falls ein männlicher Arzt ihre Frauen auch nur anschaute. Ich hatte sowohl im CURE-Krankenhaus und dem Französischen Medizinischen Institut für Kinder (FMIC) beruflich zu tun und habe eine gute Vorstellung von ihrer Mission und Vorgehensweise. Ich habe einen guten Freund der sich für CURE freiwillig gemeldet hat um seine Zeit und Können zur Verfügung zu stellen, so konnte ich auch an diese Fotos kommen. Es gibt auch ein deutsches Krankenhaus in Kabul, aber dort war ich noch nie. Es gibt keine vergleichbaren Anstrengungen von näher gelegenen, reichen, einflussreichen Nationen wie Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder China. Ich frag mich oft wieso?

Ich erwähnte in meinem letzten Post, dass Geburtsfehler in Afghanistan sehr verbreitet sind. Die kulturell akzeptierte Praxis innerhalb der Familie zu heiraten wird allgemein als Ursache dieses alarmierenden Problems gesehen. Letzten Winter hat Phil Woolas, der britische Umweltminister, einen Sturm der Entrüstung los getreten als er auf den alarmierenden Anteil von Geburtsfehlern wegen Cousinen-Ehen in den pakistanischen Gemeinden hinwies. Nur auf solche Angelegenheiten hinzuweisen ist in England mittlerweile Grund abgesetzt zu werden. Man kann nicht mal über etwas reden, das ungezähltes Leid und Elend verursacht und den Steuerzahler Millionen Pfund kostet, und das sich leicht vermeiden ließe wenn heutzutage in England die gleichen Gesetze England durch die Bank für alle gelten würden. Das finde ich ziemlich befremdlich.

In Afghanistan ist es sehr alltäglich Kinder mit Klumpfüßen die Straße entlang humpeln zu sehen. Ich wurde mit einem Klumpfuß geboren. Ich hab irgendwo gelesen, dass Troy Aiken, der ehemalige Dallas Cowboy Quarterback, das auch wurde. Diese Art von Geburtsfehlern zu beheben ist im Westen seit über hundert Jahren eine Routinesache. Man sieht nie Kinder mit Hasenscharten draußen in der Straße spielen weil sie aufgrund ihres Aussehens zu stigmatisiert sind. Das CURE-Krankenhaus behebt Hasenscharten und Klumpfüße, ohne Kosten für die Afghanen, täglich. Die Nachfrage übersteigt ihre Kapazitäten bei weitem. Wie ihre französischen Gegenstücke bilden sie auch afghanische Ärzte aus um diese Maßnahmen durchzuführen und über die Jahre haben sie einige echte Talente unter den Afghanischen Medizinern hervorgebracht. Die Helden dieser Story sind die Ärzte und Krankenpfleger die ihre Zeit zur Verfügen und ihr eigenes Geld ausgeben um hierher zu kommen und diese Maßnahmen durchzuführen. Sie suchen keine Aufmerksamkeit, sie sind keine Selbstvermarkter, sie leben außerhalb des Sicherheitsperimeters ohne die ausgefeilten Sicherheitsprozeduren wie man sie in offiziellen US-Regierungsprogrammen findet. Sie kommen hierher um zu helfen, und helfen tun sie. Mein Vater, der General im Ruhestand ist (natürlich Marineinfanterie), hat mir eine von einem Freund gesandte Email weitergeleitet, in der es um einen hochqualifizierten Arzt ging, der auf sechsmonatige Stationierung nach Kabul geschickt wurde. In der berichteten Geschichte ging es darum die kabuler Hauptklinik zu besuchen um bei einem orthopädischen Fall zu beraten – dorthin zukommen (etwa eine Meile von seinem Lager weg) hat Tage gedauert da das Sicherheits-Begleit-Konzept („security escort package“) arrangiert werden musste. Als er ankam servierte der Krankenhauschef Tee und eine gute Stunde an Geplauder; als die Amerikaner den Patienten sehen wollten, den zu untersuchen sie gekommen waren, wurde ihnen gesagt, dass das Kind vor Tagen zur Behandlung nach Pakistan geschickt worden war.

Das ist Dummheit jenseits des Messbaren. Ich bin eben jene Straßen, die er für seine Verabredung entlang musste, täglich zur zu Fuß zur Arbeit gegangen weil Fahren in der kabuler City so ein Alptraum ist. Wir verlieren den Krieg in Afghanistan, und zwar schnell, und ein Grund dafür ist, dass der Großteil des Militärs sich verhält als wäre Eigenschutz („Force Protection“) das Missionsziel Nummer Eins. Wisst ihr was? Falls Eigenschutz die Mission ist, dann ist es einfacher das daheim in den Vereinigten Staaten zu tun. Das US-Militär schickt einen hochgradig befähigten orthopädischen Chirurgen hierher auf eine Sechs-Monats-Tour, und alles was er tun wird ist einmal im Monat nach Bagram zu kommen (sein erster Trip nach Bagram benötigte drei Tage, da er einen Tag vorher am kabuler Militärflughafen, der eine halbe Meile von seinem Lager entfernt liegt, bereitstehen musste – wir fahren von Kabul nach Bagram in 45 Minuten) um dort in Konferenzen zu sitzen und an PowerPoint-Präsentationen zu sterben. Seine zivilen Gegenstücke, die auf eigene Kosten hier sind und keine gepanzerten Fahrzeuge und keine bewaffneten Eskorten haben, würden hunderte von Patienten operieren und eine Menge Ärzte ausbilden wenn sie sich einen sechsmonatigen Aufenthalt leisten könnten. Als ehemaligen Militär-Offizier schmerzt es mich so was zu schreiben, aber es ist wahr.

Die Ärzte die sich für CURE melden arbeiten auch an Erwachsenen. Team Texas hatte einen großartigen Facharzt für plastische Chirurgie, der das Ohr eines Truck-Fahrers ersetze, der es an einem Taliban-Checkpoint im Süden verlor als er angehalten wurde während er Treibstoff für die ISAF transportierte.

Die Männer und Frauen aus Frankreich, Deutschland und Amerika, die in dieses kriegszerstörte Land kommen um Menschen zu helfen die so arm und bedürftig sind, repräsentieren das Beste wofür unsere Länder stehen. Sie geben so viel und verlangen nichts als Gegenleistung … das bedeutet mir etwas, und das sollte es auch euch. Sie bekommen keine Orden, oder Kapellen , oder Paraden, oder irgendwelche offizielle Anerkennung. Sie sind Helden und sie tun das Richtige weil es das Richtige ist. Sie machen uns alle etwas stolzer und etwas besser. Möge Gott sie schützen und sie segnen.

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