Guten Mujahedin-Siegestag

Posted on 6. September 2010

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Original-Artikel auf Free Range International: „Happy Mujahedin Victory Day“, von Tim Lynch, 29.04.2010

Guten Mujahedin-Siegestag

Gestern war der 18. Jahrestag des Rauswurf der Sowjetunion aus Afghanistan durch die Mujahedin, und er wurde mit einer Militärparade in Kabul gefeiert.

Vizepräsident Marshal Fahim betonte in seiner Eröffnungsrede den Kampf gegen Korruption und den Aufbau der afghanischen Armee.

Er riet den Anti-Regierungs-Gruppen in ein etabliertes und friedliches Leben zurückzukehren.

„Die Verhandlungstüren sind offen für die, die an Frieden und der Teilnahme am normalem Leben interessiert sind,“ sagte Fahim.

Der afghanische Verteidigungsminister kritisierte in seiner Ansprache die internationale Gemeinschaft, und sagte, sie hätte den Afghanen nicht so geholfen wie sie es hätte tun sollen.

„Die Gefahren in unserer Region und unserem Land sind kaum von unseren internationalen Partnern ausgewertet worden, und als Ergebnis haben ihre Hilfen nicht ausgereicht unseren Bedarf zu decken,“ sagte der afghanische Verteidigungsminister.

So, da stehts. Ich lebe hier, also steh ich auf der Seite des Marshals und meiner Meinung nach ist Marshal Fahim ein guter Mann. Ohne Frage, Afghanistan würden von vielen mehr wie ihm profitieren.

Allerdings ist Kabul für den Moment irrelevant. Der Schwerpunkt der Taliban und ihrer diversen Anhängsel ist Kandahar. Falls die ISAF und die afghanische Armee Kandahar und die umliegenden Gemeinden säubern und halten können, dann wäre das ein Wendepunkt („Game Changer“).

„Wenn ich an den Kampf um Kandahar denke, dann stelle ich mir das als Mischung aus The Wire und Die Sopranos vor. Sie versuchen mit den Drogen und der Regierung und den Taliban klarzukommen. Niemand weiß wer die guten Cops sind, und wer die Schurken.“

Wie ich schon vorher aufzeigte, das ist genau das Problem – wir wissen nicht wer die Power Brokers in Kandahar sind. Wir haben die ganze Afghanistankampagne auf strategischer Ebene in den Fokus gerückt, aber auf taktischer Ebene tappen wir im Dunkeln (in bestimmten wichtigen Gebieten), und das ist verdammt nicht gut. Uns fehlt die Aufklärung („intelligence“) um festzustellen wo wir im örtlichen Machtgefüge Druck ausüben können. Das Problem ist, dass wir unsere Zeit mit Stellvertretern verplempert haben, als unsere Agenten hätten draussen sein sollen und die Dinge aus erster Hand hätten rauskriegen sollen. Derzeit sind nicht allzuviele Internationale draussen in Kandahar City unterwegs. Hier ist der Bericht von Team Kanada:

Die Lage ist hier derzeit richtig angespannt, verbringen den halben Tag und Nacht in Bereitschaft oder auf Wache. Einige IEDs und Direktfeuer-Angriffe diesen Morgen (? „AM“). Bei einem Anschlag, der die ANP treffen sollte, wurde einer unserer CFW-Arbeiter („Cash For Work“ – Geld für Arbeit) getötet und drei verletzt – falscher Ort, falsche Zeit. Ich weiß nicht wie lange wir hier noch am operieren bleiben können, aber wir werden die letzten sein die hier abziehen, dass garantier ich. XXX, XXXXXXX und XXX sind alle gegangen oder haben sich auf dem KAF („Kandahar Air Field“, Flughafen Kandahar) eingebunkert – wirkungslos. Wir sind derzeit die einzige Schau in der Stadt.

Der Grund, warum Team Kanada (zusammengesetzt sowohl aus kanadischen als auch amerikanischen Militärleuten) noch operiert, ist, dass sie in einer Kultur des Missionserfolgs aufgewachsen sind. Gen McChristal sagte früher im Monat, dass er zu viele Autragsarbeiter („Contractors“) im Einsatzgebiet hat, was vermutlich wahr ist. Aber es gibt alle Sorten von Auftragsarbeitern da draussen, und die, die jenseits der Permiters arbeiten, sollten möglichst ermutigt werden. Ich drifte wieder ab; das Thema ist Kandahar, also zurück zum Faden. Indirekt.

Vor zwei Tagen wurde Jalalabad (wieder) von einer kleinen IED in der Stadt und 2 Raketen die Nahe den Gouverneurs-Anwesens einschlugen getroffen. Wie ich zuvor schon sagte, die Stadt hat in den letzten vier Wochen mehr IEDs uns Raketen abbekommen als in den letzten vier Jahr. Was geht hier vor? Ich werd euch eine fundierte Vermutung geben. Der Gouverneur der Provinz Nangarhar ist Gul Agha Sherzai, der aus Kandahar-Stadt kommt und einer der Warlords war, die 2001 auf unserer Seite kämpfte um die Taliban loszuwerden. Ich vermute, dass wenn wir die Fähigkeiten dazu hätten, würden wir Karzais Bruder aus Kandahar entfernen und Gouverneur Sharzai wieder als Provinz-Gouverneur einsetzen. Wie viel würdet ihr wetten wollen, dass der plötzliche dramatische Anstieg an IEDs und Raktenangriffen in Jalalabad-Stadt mehr mit der Provinz Kandahar zu tun hat als mit Nangarhar?

Der Kampf um Kandahar hat bereits begonnen. Die Oberliga-SF-Leute arbeiten die JPEL ab („Joint Prioritized Effects List“ – gemeinsame Liste priorisiert auszuschaltender Personen), schalten führende Bösewichter aus, was eine Vollzeit-Tätigkeit zu werden schein. Die Phase von SF-Kommandounternehmen ist was das Militär „Formen des Kampfschauplatzes“ nennt. Die Bösewichter formen ebenfalls. Diese Woche ermordeten sie zwei Shura-Mitglieder des Agrhandab-Distrikts – beides Älteste des Alikozai-Stammes, außerdem den Vize-Bürgermeister von Kandahar. Der Alikozai-Stamm ist verdammt groß, und Vize-Bürgermeister umzulegen während sie in der Moschee beten gilt als schlechter Stil. Die Schurkenseite könnte genau die Leute vor den Kopf stoßen, die sie braucht um den kommenden Ansturm zu überstehen, wie bei Al Qaeda und den Stämmen in Al Anbar, Irak. Andererseits, vielleicht auch nicht, wer weiß? Offensichtlich wir nicht.

Ich hoffe, dass die gezielten Schläge in Kandahar besser verlaufen als sie das in Jalalabad tun. Letzte Nacht hörten wir was ganz klar ein Kommandounternehmen von Oberliga-Spezialkräften nahe beim Taj war. AC 130s, Kampfflugzeuge und viele Transporthubschrauber. Dem Anschein nach hatten sich die Jungs sich ein Anwesen einer Parlamentsabgeordneten vorgenommen, auf der Suche nach einem „Talibanunterstützer“. Während des Einsatzes reagierte ein Nachbar auf den Überfall mit seiner AK 47 und wurde totgeschossen. Diesen Morgen kamen wir in den Genuss einer (nach örtlichen Maßstäben) ziemlich beeindruckenden Demonstration ein paar hundert Meter westlich des Taj, wohin einige Dörfler den Leichnam des toten Mannes gebracht hatten und „Tod für Amerika“ skandierten.

Die ANP leistete gute Arbeit beim Unter-Kontrolle-Bringen des Protests. Sie leiteten all die LKWs und den Verkehr durch die Tankstelle um, die gerade rechts außerhalb des Bildrandes ist. Etwa eine Stunde nach Beginn der Proteste stürmte die Menge vor und bewarf die Polizisten mit Steinen. Die ANP zog sich zurück und feuerte ein paar Salven mit ihren AK47 in die Luft. Sie rannten vor und warfen ein paar Reizgar-Granaten, aber der Wind war falsch und das Reizgas wurde zu ihnen zurück geweht (und zu uns beim Taj), also zogen sie sich wieder etwas zurück. Eine Stunde später hatte sich die Menge aufgelöst, der Verkehr floss wieder normal, und wir konnten etwas entspannen.

Diese Oberliga-Spezialkräfte-Kommandounternehmen sind wirklich cool, aber der Einsatz letzte Nacht brachte kein Ergebnis. Es gibt viele bessere Wege einen „Talibanunterstützer“ zu schnappen, der sich im Anwesen einer afghanischen Abgeordneten befindet, gegenüber der Hauptstraße von Jalalabad nach Kabul. Ein paar LKWs mit ANP und ein Schützenteam („fireteam“) amerikanischer Militärpolizei ist mehr als ausreichend. Afghanische Anwesen sind, aus einer taktischen Perspektive, einfach zu isolieren und man kann so ein Unternehmen immer damit beginnen, dass man anklopft und verlangt dass der Verdächtige für ein Gespräch mitkommt. Was soll er tun? Eine Belagerung auf dem Parlamentsabgeordneten-Anwesen anfangen?

Davon ab, der Überfall gestern Nacht war eine Niete, was in Anbetracht des Status‘ des Besitzers des Anwesens ein riesiger Patzer ist. Wie kam dieses Anwesen auf die JPEL Ziel-Liste? Was war die Motivation der Leute, die ihn nominierten? An wen richtete sich dieser Schuss vor den Bug? Ich wette wir wissen es nicht, aber wenn ich raten müßte, würde ich vermuten, dass all das – die Angriffe in Jalalabad, das Disaster eines Kommandounternehmens gestern Nacht, all das, verbunden ist mit Kandahar. Und ich sehe nicht, wie sie Kandahar und die umliegenden Distrikte systematisch säubern und halten können ohne die Marines aus ihren derzeitigen Einsatzgebieten zum Einsatz in diesem Kampf abzuziehen. Wenn sie versuchen die im Irak verwendeten Taktiken zu kopieren wird dies einiges an Infanterie benötigen. Mehr dazu im nächsten Post. Meine derzeitige Prognose ist, dass das eine sehr interessante Kampfsaisson werden wird, und der Kampf um Kandahar bleibt der wichtigste seit Tora Bora.

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