Bereut! Das Ende ist nah!

Posted on 16. September 2010

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Der Original-Artikel erschien auf Afghan Quest: „Repent! The End Is Near!“, von Old Blue, am 02.03.2008

Bereut! Das Ende ist nah!

Ich bin seit mehr als einer Woche wieder zurück in meinem derzeitigen Feldlager („Forward Operation Base“, FOB), und habe in der Zwischenzeit eine ConOp* nach Kabul und zurück gemacht. Am Tag nach unserer Rückkehr haben wir einen Vorstoß ins Land nördlich von hier unternommen, welches allgemein als „Indianerland“ betrachtet wird. Es war plötzlich, es war massiv, und es war eine Überraschung.

Der Feind tat nichts.

Es ist nicht so, dass er nichts tat weil er von unserer massiven Feuerkraft eingeschüchtert gewesen wäre. Er wußte lediglich nicht, dass wir kommen, und es war zu spät eine impovisierte Party zu schmeißen, also beobachtete er wie wir operieren. Er merkte sich wie wir uns bewegen, welche Art Waffen, wie lange unsere Hubschrauber auf Posten bleiben, wo wir verwundbar erschienen. Er merkte sich welche Dinge uns zu interessieren scheinen, und wo unsere Fahrzeuge Probleme zu haben scheinen.

Wir kehrten komplett ohne Kratzer zurück. Für einige war es der erste Auflug in solches Gebiet. Für mich war einfach wie jeder andere Trip in Das Tal. Wie ich einem Freund vor kurzem schrieb, es ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie was man bekommt.

Dieser Freund, der ein Berufs-Schreiber ist, wies mich auf einen Mitarbeiter hin, der diesen Satz prägte (nein, es war nicht Forrest Gump), ein Schreiber für The Washington Star. Das war meine Trivia für die Woche, und jetzt ist es eure.

Da wir gerade von Dem Tal sprechen, ich hatte meinen letzten Trip in Das Tal weil ich in Bagram war. Mein altes Team war dabei dorthin aufzubrechen, und ich wartete auf den Flug zu meiner FOB (die gehen nicht täglich), und ich konnte nicht auf meinen Daumen sitzen während meine Kumpel runter gingen, also fuhr ich als zusätzliches Gewehr mit. Das verlief ebenfalls ereignislos. Ein Konvoi wurde dort am nächsten Tag zusammengeschossen, aber unser Trip war wie ein Fahrt im Park. Schachtel Pralinen.

Ich konnte mit einigen Leuten dort unten reden, die ein wenig mit meinem alten Haufen ANP arbeiteten, und einer von ihnen erzählte mir, dass die ANP immer noch von mir spricht. Ich kann nicht erklären wie mich das fühlen läßt. Den Respekt der Afghanen zu haben, mit denen ich so lange zusammenarbeitete, bedeutet mir die Welt. Es war eine der coolsten Sachen die ich das ganze Jahr gehört habe.

Ich kaum auch dazu eine letze Einsatzfahrt mit O und dem Maniac und Jacques Pulvier zu haben. Major (Stone) Cold war auch da. Er wird demnächst zum Lieutnant Colonal befördert. In der Armee gibt es doch noch so etwas wie Gerechtigkeit.

Dieser Mann ist einer der besten Offiziere denen ich während meiner 26-jährigen Laufbahn begegnet bin.

Wenn ich dieses Land verlasse werde ich etwas freier sein darüber zu schreiben wo wir waren, und einige der Umstände in denen wir uns befanden. Es gibt viele Geschichten die nicht erzählt wurden. Ich beabsichtige ein paar davon zu erzählen.

Ich war sehr vorsichtig hinsichtlich OPSEC, und ich war auch sehr vorsichtig hinsichtlich persönlicher Sicherheit. Ich hab einen großen Dreh draus gemacht. OPSEC wird nicht so das große Thema sein wenn ich heimkehre, und der Rest des Teams heimkehrt. Ich könnte jetzt über Das Tal schreiben, aber ich werde warten bis wir zuhause sind. Viele der Ereignisse die sich dort abspielten geschahen vor Monaten. OPSEC ist da nicht das Problem, es ist einfach genauso gut zu warten.

In etwa einer Woche werde ich diese FOB verlassen, auf der ich nur ein paar Monate verbracht habe… und die Hälfte eines davon für eine viertägige Genehmigung („four day pass“). Ich konnte mit der örtlichen ANP arbeiten, aber konnte sie nicht so kennenlernen wie die Männer oben in Dem Tal. Es braucht etwas Zeit, und einige gemeinsame Schwierigkeiten und Herausforderungen, damit sich ein solches Band bildet. Hier gab es diese Zeit und Herausforderungen nicht. Es sind gute Leute, und ich liebe es mit Afghanen zu arbeiten, selbst wenn sie drei verschiedene Sorten von durchgeknallt sind („three diffrent flavors of f*(%ed up“).

Würde ich meine Kinder nicht so vermissen, würde ich für ein paar weitere Monate bleiben… außer dass meine Armee mich ernsthaft anpißt. Ich hab so viel Dinge gesehen, von denen ich nie erwartete hätte, dass ich sie von meinem eigenen Team sehen würde. Ich hab Dinge gesehen, über die ich nie werde schreiben können, und ich will nicht ins Schlechtmachen abgleiten, aber ich werde sagen dass ich geschockt, sprachlos, überrascht und angepißt war.

Nichts des obigen hat mit irgendwelchen barbarischen Vorfällen oder Kriegsverbrechen zu tun. Soviel sei gesagt; eher Vorgänge extremer Dickschädeligkeit und brüderlichen Kannibalismus. Versucht daraus schlau zu werden, wenn ihr wollt. Ich hab’s satt, und deswegen gehe ich nach Hause. Ich werde über einiges davon später schreiben, und ich werde einiges dafür für Augen in der Armee aufschreiben, in der unbestimmten und leicht verrückten Hoffnung, dass sie für irgendwen irgendwo, der etwas daran ändern kann, einen Unterschied machen. Wir haben uns wiederholt in den Fuß geschossen indem wir unseren Brüdern in den Fuß schossen und dachten es wäre tatsächlich nicht unser Fuß.

Viele dieser Dinge sind institutionelle Probleme. Einfach der Art wie’s ist, mehr oder weniger.

Wir sind dabei diesen Krieg zu gewinnen, gleichgültig was irgendwer behauptet, gleichgültig was die New York Times behauptet, wir sind dabei zu gewinnen. Die Verbesserungen, die ich gesehen habe seit ich hier war, waren viele und bedeutend. Ich habe so viele Straßen gebaut gesehen, so viele Soldaten ausgebildet, ich habe ein gesehen wie die Rangreform („rank reform“) in der ANP begonnen wurde, ich habe gesehen wie Korruption aufgedeckt und bekämpft wurde, ich habe Soldaten gesehen die rechtzeitig ausgezahlt wurden, während sie in der Vergangenheit zu spät ihr Geld bekamen und einen Teil davon abgeben mussten. Ich habe gesehen wie die ANP neue Ausrüstung erhält, ich habe gesehen wie sie anfängt zu funktionieren, ich habe gesehen wie es sich wie ein Tintenfleck ausbreitet.

Die ACM* haben ihre Gewalt verstärkt, sicherlich … es ist Verzweiflung. Sie müssen. Die GoA (Government of Afghanistan – afghanische Regierung) erweitert ihren Einfluss immer weiter in bis dahin unregierte Gebiete. Die Afghanische Arme („Afghan National Army“, ANA) ist kein Witz; sie können kämpfen, und wenn sie das tun, dann ergeht es den ACM meist schlecht. Die ANA sieht nicht gerade wie Amerikaner aus. Sie sehen aus wie professionelle Afghanen, und sowas wirkt nicht amerikanisch.

Hoffentlich gewöhnen sie sich auch nicht unsere schlechten Angewohnheiten an.

Die ANP ist zehn mal wahrscheinlicher im Kampf getötet zu werden als ihre ANA-Gegenstücke. Hoffentlich wird diese Zahl abnehmen. Wenn der Typ mit der automatischen Waffe im Dorf ein ANP ist, und das Leben unter der ANP besser als Leben unter den Taliban ist, dann werden wir wirklich gewinnen. Dann wird Afghanistan wirklich gewinnen.

Ich denke, wir sind auf dem Weg das zu erreichen, wenn wir diesen Weg fortsetzen dürfen und sie genug Mentoren hierher schicken, so dass jeder Distrikt in jeder Provinz über ein Mentoren-Team verfügt.

Wir gewinnen nicht, weil wir Meister der Aufstandsbekämpfung („master counterinsurgents“) sind. Unsere Standard-Truppen („line units“) sind völlig unausgebildet in Aufstandsbekämpfung. Wir haben einige junge Soldaten, die hierher geschickt wurden um die ANP in Soldatenfähigkeiten zu trainieren, die nicht nur nicht in Aufstandsbekämpfung ausgebildet wurden, sondern die auch nichts davon hören wollen. Wir leisten schreckliche Arbeit was das Predigen von Aufstandsbekämpfungs-Doktrin angeht, der einzigen Doktrin die gegen einen Aufstand gewinnen wird.

Wir sind nicht am gewinnen weil wir so verdammt toll sind; wir sind am gewinnen weil es genug Afghanen gibt die wirklich ein besseres Land wollen, und willens sind ihren Allerwertesten dafür zu riskieren.

Wenn ihr daheim seid, und ihr redet mit jemandem der hier war, und der euch sagt dass er Afghanen hasst, dann solltet ihr dies wissen; ihr sprecht mit jemandem der es nicht rafft. Sie sind Leute die zu verdammt faul waren um zu versuchen über die Unterschiede hinwegzukommen und den Menschen dahinter zu sehen. Sie sind Leute die sich überlegen fühlen, augfrund dessen was sie haben, das ihnen umsonst gegeben wurde, nicht weil sie aus sich heraus besser wären oder weil sie sich ihre Überlegenheit verdient hätten. Sie werden sich darüber beschweren, dass Afghanen nicht lesen können. Erinnert sie daran, dass sie selbst nicht in der Lage sind zu Lesen weil sie so rechtschaffen wären, sondern weil sie in einer Gesellschaft aufwuchsen die es nicht zuliess dass sie nicht zur Schule gehen. Sie werden sich darüber beschweren, dass Afghanen primitiv seien, aber sie selbst haben die Wasserversorgungswerke nicht gebaut, oder die Kraftwerke, die sie so fortgeschritten machen. Das war alles schon da als sie in ihren makellosen Krankenhausbetten geboren wurden.

Sie werden sich über Korruption beschweren, auch wenn die meisten von ihnen sich nie Sorgen machen mußten wie sie ihre Familie versorgen, von einem Gehalt das beklagenswert unzureichend ist um die Kinder zu ernähren. Sie werden den Eindruck haben, dass sie ihre Bildung überlegen macht; oder dass sie mit Silberbesteck essen, oder sogar weil sie Christen sind (Mir hat mal ein Captain erzählt warum all die 26 Millionen Afghanen in der Hölle landen werden weil sie keine Christen sind … Ich denke nicht, dass er mit dieser Meinung allein steht). Keine dieser Dinge sind Dinge die sie selbst getan haben. Also sind wir aufgrund der Umstände unserer Geburt überlegen. Adel, das sind wir.

Ein Soldat der mit dem Konzept von Aufstandsbekämpfung so seine Probleme hat… Smokey, kam hierher um alles zu töten was er sieht (mal schaun wie lange das hält wenn er das erste mal beschossen wird)… erzählte mir wie schwer es für ihn war seinen College-Abschluss als Grafiker zu bekommen. Ich sagte ihm, dass er keine Ahnung hat was harte Arbeit ist, bis er nicht einen Afghanen gesehen hat, der Morgen („acre“) um Morgen mit Hacke und Schaufel bewirtschaftet.

Wir sind ein arrogantes, ich-bezogenes Volk, und unsere Armee ist ein Spiegelbild der Nation. Ja, wir sind in Afghanistan am Gewinnen. Nein, es ist wirklich nicht allein unser Sieg. Wir würden nicht, könnten nicht, gewinnen ohne die engagierten, ungebildeten, analphabetischen, der Hölle bestimmten Wilden, deren Mut so oft unglaublich ist.

Erzählt mir niemals, dass die Afghanen selbst mal ihre Haut riskieren sollten („put some skin in the game“). Ich habe vier von ihnen in Vinylsäcke gepackt mit ihrer Haut in Fetzen, und gesehen wie der Rest seine Arbeit fortgesetzt hat. Sie haben zwei mehr auf die selbe Weise fast am selben Ort verloren. Einem anderen wurde sauber durch den Kopf geschossen, und seine Brüder sind weiterhin in dieses Gebiet gegangen. Das ist die eigene Haut riskiert, und in der Erde, und im Grab.

Ja, manchmal gibt es feige Taten („acts of cowardice“). Ich hab mehr erstaunliche Feigheiten von einem amerikanischne Offizier gesehen, der sich bei seiner Heimkehr als Held ausgeben wird. Wir sind nichts besseres aufgrund der Umstände unserer Geburt, oder aufgrund der Ausbildung, die sich unsere Armee leisten kann uns zu gewähren. Was einen Menschen zu etwas besserem macht sind seine Taten, und ich könnte viele Beispiele anführen wo wir diesen Titel nicht verdienen.

Wir bringen unsere Soldaten bei arrogant zu sein. Ist es nicht möglich, das unsere Soldaten bestens ausgebildet und selbstbewußt sind, ohne dass sie auf den Rest der Welt herabblicken müssen?

Wenn ihr also den Typen trefft der Afghanen haßt, dann wisst dass er das nie verstanden hat. Womöglich gebt ihr ihm die Möglichkeit zu erklären, vielleicht, dass er der Afghanen müde ist… Es braucht viele Anstrengungen sie zu verstehen, und manchmal um die Dinge die sie tun zu tolerieren, die für uns nie Sinn ergeben werden. Manchmal wird diese Erschöpfung als Hass angegeben, aber das ist nicht das gleiche. Wenn er immer noch darauf besteht, dass es Hass ist, dann heißt ihn willkommen und betet dass er nie als amerikanischer Aufstandsbekämpfer losgeschickt werden wird. Wir brauchen ihn nicht.

Ich werde bald heimkehren, und ich habe immer noch Geschichten zu erzählen.

*
CONOP = Convoy Operation (Konvoi-Fahrt)

ACM = Anti Coalition Milita (Nicht alle ACM sind Taliban, viele sind auch HiH, oder Hizbi Islami Gulbuddin; sie sind die Miliz der HiG-Partei, angeführt durch den Kriegsherren Hekmatyar Gulbuddin. Sie behaupten eine politische Partei zu sein. Es gibt auch andere kleinere ACMs, wie Jamyaat. Die wichtigsten in dem Gebiet in dem ich arbeitete sind die Taliban und HiG gewesen.)

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