COIN: Die andere Seite

Posted on 17. September 2010

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Der Original-Artikel erschien auf Afghanistan Shrugged: „COIN: The Flipside“, von Vampire 06, am 04.07.2009.

COIN: Die andere Seite

Jeder Kampf hat immer zwei Seiten. Oft ist die Seite, die hier in Afghanistan am meisten vernachlässigt wird, der Kampf den wir in unseren eigenen Streitkräften ausfechten. Die Angst und die fremdenfeindlichen Tendenzen zu überwinden, die nicht wenige hierher entsandte Soldaten haben, ist ein entscheidender Punkt in diesem Kampf, den nicht viele ansprechen.

Eine neue Einheit ist gerade in unserem Gefechtsgebiet („battle space“) angekommen. Ich sage „unserem“, da es das Land der ANA („Afghan National Army“, afghanische Armee) ist, also ist es ihr Gefechtsgebiet; ich zähle die ETTs („Embedded Training Teams“, eingegliederte Truppenberater) zur ANA. Nun, die Kommandanten die hier ankommen bezeichnen sich fortlaufend selbst als Gefechtsgebiet-Besitzer („battle space owner“), ich würde ein Umbenennen in Gefechtsgebiet-Leihende („battle space renters“) vorschlagen. Aber, wie in allen guten COIN-Kämpfen („counterinsurgency“, Aufstandsbekämpfung) findet der Kampf nicht auf Bataillons-Ebene statt, sondern bei den einzelnen Soldaten die mit den Afghanen interagieren und die meiste Zeit mit ihnen verbinden.

Einige der Soldaten, die hier angekommen sind, haben bereits Erfahrung mit dem Arbeiten mit Einheimischen. Diese Erfahrung ist mit den irakischen Sicherheitskräften, und ich werde mir einen Spruch von meinem Freund Troy bei Bouhammer ausleihen, „Afghanistan ist nicht Irak“. Die Afghanen sind sehr anders als Irakis. Troy, ich werden den Lizens-Scheck Kesterson mitgeben.

Diese Voreingenommenheit ist im Weg wenn sie mit Afghanen arbeiten, üben und ganz allgemein interagieren. Sie nennen sie „Haji“ und haben Angst vor ihnen. Angst mag an dieser Stelle wie ein starkes Wort klingen, aber es beschreibt akurat was ich gesehen habe. Hier ist ein Beispiel.

Die ETTs und Koalitionstruppen („Coalition Forces“, CF) kommen auf die ANA-Seite des Feldlagers („Forward Operation Base“, FOB) um sich für eine abgesessen Patrouille in der Umgebung bereit zu machen. Als wir auf die ANA-Seite gehen höre ich das Geräusch von 30 M4s die gespannt und geladen werden („locked and loaded“). Schaut, wir sind nicht mal kurz davor das Feldlager zu verlassen, und diese Typen spannen ihre Waffen. Was kommuniziert das der ANA? Als ich nach dem Warum frage bekomme ich verschiedene Antworten, die sich alle darum drehen, was wäre wenn die ANA uns angreifen würde.

So, die zweite Front in diesem Kampf ist sichtbar geworden. Wir als ETTs stehen in der Mitte, die Botschafter des guten Willens, oder wie ich gern sage COINs Bob Hope Tour. Wir müssen die Mauern einreißen und diese Typen zusammenbekommen. „Können wir nicht einfach alle miteinander klarkommen?“

Unsere Bob Hope Tour begann auf der Grundstufe, MSG Famine fing an den CF-Trupps Unterricht über COIN und was hier los ist zu geben, jeder Private (Gefreiter) muss verstehen, dass seine Handlungen ausschlaggebend für den COIN-Kampf sind. Was wir gesehen haben ist, dass Offiziere und höhere Unteroffiziere („senior NCOs“) den Unterricht bekommen, aber „Joe“ wird ignoriert. Ein weiterer Hinweis dass die konventionellen US-Streitkräfte verpassen wie COIN funktioniert. Joe ist die entscheidende Schnittstelle mit der Bevölkerung und den afghanischen Sicherheitskräften.

Als nächstes fingen wir an, sie rüber zu den ANA auf Chai und Essen mitzunehmen. Viele von euch haben bereits meinen Post über Chai und seine Bedeutung innerhalb der afghanischen Kultur gelesen. Die anfängliche Reaktion darauf war mager, nur ein Truppführer wolle seine Jungs rüberbringen, was ihnen Gespött und den Titel „Haji-Liebchen“ („Haji Lovers“) einbrachte. Aber letztendlich sahen wir mehr Interesse. Ich nahm einige Truppführer mit rüber und verschaffte ihnen etwas Nan – afghanisches Brot – dass sie mit ihren Trupps teilen konnten. Schliesslich äußerten mehr Jungs ein Interesse. Ich wusste, das wir dabei waren diese Phase des Kampfes zu gewinnen, als ich folgenden Austausch in der US-Messe („chow hall“) mitbekam:

„Alter, dein Trupp ist ein Haufen Haji-Liebchen weil ihr da rüber geht“ sagte ein Joe zu einem anderen.

„Weißt du was, Mann, dass sind keine Hajis, das sind Afghanen, und diese Typen haben die Hajis schon vor Jahrhunderten fertig gemacht, und dann haben sie den Russen in den Arsch getreten. So ja, mit denen kann man ziemlich cool abhängen“ antwortete ein andere Joe mit einer Spur Stolz.

Schließlich begannen wir gemeinsames Training mit den US und ANA. Wir fingen mit den Sanitätern an; was ich bemerkt hab ist, dass die Sanitäter im allgemeinen etwas aufnahmefähiger und zugänglicher sind. Also plante mein Sani SSG Doc eine Übung mit vielen Verwundeten („mass casuality exercise“ – MASCAL), bei der die Afghanischen Sanitäter die Verwundeten entgegennehmen und triagieren würden, sie rüber zur US Sanitätsstation bringen zum gemeinsamen Stabilisieren, und dann würden die US und ANA sie zur Landezone („LZ“) zum Ausfliegen bringen („medevac“). Das geniale an diesem Plan ist, dass MASCAL es nötig macht das ganze Feldlager zu mobilisieren, so dass die anderen US-Kräften keine andere Wahl haben als die Sanitäter zusammenarbeiten zu sehen.

Wißt ihr was, es hat funktioniert. Seit dem hatten wir Trupps die darum baten mit den ANA auf Patrouille zu gehen und gemeinsam mit ihnen zu trainieren. Wir haben unseren Fuss in die Tür gekriegt und es hat funktioniert. Wir machen jetzt auch an der zweiten Front Fortschritte, und wie bei jeder Bob Hope Show geht man glücklich heim.

Während meines unglaublich mühseligen ETT-Trainings, das nebenbei ein Witz ist, hat nie jemand das Konzept angesprochen, dass wir unsere eigenen Kräfte besiegen müssen um anzufangen den COIN-Kampf zu gewinnen. Aber es ist entscheidend, dass wir dieses Band aufbauen und diese Vorurteile zerstreuen. Diese Jungs werden irgendwann zusammen kämpfen müssen, und man will nicht, dass dies das erste Mal ist, dass sie miteinander zu tun haben.

Nichts geht über etwas Chai, Nan und eine MASCAL um den Prozess zu beginnen.

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